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Erstausbildung im dualen System - und was kommt dann?
Übergangsprobleme von der beruflichen Ausbildung ins Beschäftigungssystem

ISF-Forschungsschwerpunkt

Arbeitsmarkt und Bildung

Projektträger

gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

ProjektbearbeiterInnen

Dr. Petra Schütt 089 / 27 29 21 - 45 petra.schuett@isf-muenchen.de
Dr. Hans G. Mendius
Dr. Joachim Jaudas 089 / 27 29 21 - 37 joachim.jaudas@isf-muenchen.de

Projektlaufzeit: 9/1999 bis 2/2003


Berufsausbildung und Beschäftigung
Eine qualifizierte Ausbildung ist und bleibt eine entscheidende Voraussetzung für einen erfolgreichen Berufsstart und eine dauerhafte Beschäftigung. Allerdings funktioniert der Übergang von der Ausbildung in eine feste Beschäftigung im erlernten Beruf nicht automatisch. Betriebswechsel direkt nach der Ausbildung oder in den ersten Jahren danach gab es immer schon in erheblichem Umfang – nicht zuletzt bei im Handwerk Ausgebildeten, und zwar sowohl innerhalb des gelernten Fachs als auch in ganz andere Tätigkeiten.
Im Handwerk können nicht alle Absolventen der Ausbildung bleiben, weil oft erheblich über den eigenen Bedarf ausgebildet wird. Umgekehrt gilt aber auch, daß dort so viel ausgebildet wird, weil man über lange Jahre die Erfahrung machte, daß viele nach der Gesellenprüfung aus dem Handwerk in andere Wirtschaftsbereiche, vor allem in die Industrie, aber auch in den Dienstleistungssektor, abwanderten. Insofern wurden vom Handwerk stets Ausbildungsleistungen für andere mit erbracht. Der problemlose Wechsel funktioniert aber zunehmend weniger, weil der Personalbedarf in den bisher aufnehmenden Bereichen stark abgenommen hat und dort häufig schon Schwierigkeiten bestehen, die eigenen Absolventen angemessen einzusetzen. In expandierenden Branchen wie dem IT-Bereich gibt es dagegen einen Qualifikationsbedarf, der den Einsatz von Absolventen „klassischer“ Handwerksberufe kaum noch erwarten läßt.

Symbiose zwischen Ausbildung im Handwerk und Beschäftigung in anderen Wirtschaftsbereichen
Die Industrie und Teile des Dienstleistungssektors haben über lange Zeit Arbeitskräfte aus dem Handwerk in großer Zahl eingestellt, vor allem, um sie als „angelernte Arbeitskräfte“ einzusetzen. Auch in den Fällen, in denen ihre fachliche Qualifikation nicht oder nur zum geringen Teil einschlägig war, brachten sie doch aus ihrer Handwerkslehre hochgeschätzte Arbeitstugenden mit: Praxiserfahrung, Teamfähigkeit, Lernbereitschaft, Arbeitsdisziplin, Flexibilität im Arbeitseinsatz. Für die aufnehmenden Wirtschaftszweige war dies überaus attraktiv, denn solche „Gratis-Qualifikationen“ erlaubten es, Einarbeitungs-, Anlern- und Ausbildungskosten zu sparen, und es war gleichwohl häufig möglich, die Arbeitskräfte aus dem Handwerk wie ungelernte Arbeitskräfte einzustufen, weil ihre Ausbildung nicht als fachlich einschlägig anerkannt wurde.

Scheitern an der zweiten Schwelle?
Nach wie vor bildet das Handwerk über den eigenen Bedarf aus – dazu haben sicher in letzter Zeit auch die Appelle zur Beseitigung der Lehrstellenknappheit beigetragen. Zugleich bauten Industrie und andere Wirtschaftsbereiche, die traditionell Handwerksgesellen aufgenommen haben, Arbeitsplätze ab, und viele werden das – folgt man Prognosen und Befragungsergebnissen – auch weiter tun. In den wenigen expandierenden Branchen jedoch, beispielsweise im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie, weisen die dort verlangten Kompetenzen wenig Berührungspunkte mit den typischen handwerklichen Qualifikationen auf. Und da dort mittlerweile eigene Ausbildungsgänge eingerichtet wurden (etwa die IT-Berufe und die Medienberufe), in denen inzwischen in bedeutendem Umfang ausgebildet wird, ist auch nicht mit einem „Sog-Effekt“ zu rechnen.
Damit ist die Symbiose zwischen der Ausbildung im Handwerk und dem Einsatz in anderen Wirtschaftsbereichen, die lange Zeit gut funktioniert hat und eine wichtige Grundlage für den Erfolg der deutschen Wirtschaft in der Nachkriegszeit bildete, massiv gefährdet. Es zeichnet sich ab, daß das Handwerk nicht mehr länger als "Berufsschule der Nation" fungiert, aus der die Industrie und andere Wirtschaftsbereiche einen Teil ihrer Fachkräfte rekrutieren. Vielmehr besteht die Gefahr, daß die Überausbildung im Handwerk nicht nur wie bisher schon häufig zum unterqualifizierten Einsatz führt, sondern jetzt insofern zur Fehlausbildung werden kann, wenn kein Arbeitsplatz gefunden wird. Wer die erste Schwelle bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz überwunden hat, bleibt jetzt mit einiger Wahrscheinlichkeit an der zweiten Schwelle hängen: Er muß nicht mehr nur damit rechnen, vom Ausbildungsbetrieb nicht weiterbeschäftigt zu werden oder keinen Arbeitsplatz zu finden, der seinem Berufsabschluß angemessen ist; er läuft vielmehr Gefahr, nicht einmal als An- oder Ungelernter arbeiten zu können.
Diese Entwicklung schlägt sich in einem erheblichen Anteil von jungen Menschen nieder, die im Anschluß an eine Ausbildung im dualen System arbeitslos werden. Dabei sind erhebliche regionale Unterschiede zu konstatieren, besonders negativ betroffen sind die Absolventen außerbetrieblicher Ausbildungsstätten.

Untersuchungsfragestellungen
Vor diesem Hintergrund kommt einer präzisen Analyse der skizzierten Entwicklungen und absehbarer künftiger Tendenzen entscheidende Bedeutung für die Erarbeitung von Konzepten zur Qualifizierung und Sicherung der Fachkräfteversorgung zu. Dabei werden regionale Untersuchungsschwerpunkte, die sich bezüglich der wirtschaftlichen und arbeitsmarktpolitischen Situation markant unterscheiden, in die empirischen Untersuchungen einbezogen. Das Projekt wird daher neben der Überprüfung und Weiterentwicklung der Ausgangsthesen mit qualitativen und quantitativen Methoden Szenarien über mögliche Entwicklungsperspektiven von Ausbildung, Berufseinmündung und Arbeitskräftemobilität entwickeln. Die Diskussion der Szenarien mit Experten aus Unternehmen, Verbänden und Politik soll dann Entscheidungsgrundlagen für die Ableitung geeigneter berufsbildungs- und arbeitsmarktpolitischer Schlußfolgerungen liefern.

Weitere Informationen:

Bücher/Artikel

Arbeitspapiere/Vorträge