Ausgeklappte Navigation Eingeklappte Navigation

LASoS – Armutsdynamik und Arbeitsmarkt: Entstehung, Verfestigung und Überwindung von Hilfebedürftigkeit bei Erwerbsfähigen

ISF-Forschungsschwerpunkt

Arbeitsmarkt und Bildung, Arbeit und Subjekt

Projektträger

Gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Das Forschungsvorhaben ist ein vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg (IAB) drittmittelfinanziertes Projekt.

ProjektbearbeiterInnen

Prof. Dr. habil. Sabine Pfeiffer 089 / 27 29 21 - 0 sabine.pfeiffer@isf-muenchen.de
Dr. Petra Schütt 089 / 27 29 21 - 45 petra.schuett@isf-muenchen.de
Dr. Anne Hacket 089 / 27 29 21 - 44 anne.hacket@isf-muenchen.de
Dipl.-Soz. Tobias Ritter 089 / 27 29 21 - 74 tobias.ritter@isf-muenchen.de

Projektlaufzeit: 11/2006 bis 1/2012

Projekthintergrund

Hilfebedürftigkeit im Sinne des SGB II ist ein komplexes Phänomen, in das die Orientierungen, Kompetenzen und Handlungsweisen des Individuums, die sozialen Unterstützungsnetze der Familie, die Nachfrageseite des Arbeitsmarkts und die Unterstützungsleistungen der Arbeitsmarktpolitik einfließen. Wie im Zusammenspiel dieser Faktoren Hilfebedürftigkeit entsteht, sich ggf. verfestigt oder überwunden werden kann, wird im Rahmen des Projekts erforscht. Hierbei stehen subjektive und soziale Faktoren im Vordergrund: Wie sieht die Alltagswirklichkeit von Hilfebeziehern aus? Wie deuten sie ihre Lage, welche Konsequenzen ziehen sie daraus? Ändern sich ihr Alltag, ihr Arbeitsvermögen, ihre Bemühungen um Erwerbsarbeit oder ihre sozialen Netzwerke im Zeitverlauf? Wie reagieren sie auf das System des Förderns und Forderns?

Forschungsperspektive

Die mit dem Arbeitsvermögen zentral gestellte Perspektive nimmt implizite und informelle, habituelle und körperbezogene Fähigkeiten des Subjekts in den Blick. Jenseits formaler Qualifikationen und zertifizierbarer Kompetenzen legen diese Potenziale gleichsam die Basis für die (Selbst-)Herstellung der eigenen Arbeitskraft einerseits und für lebensweltliche Bewältigungsformen andererseits. Quer zu traditionellen Zugängen zu Beschäftigungsfähigkeit nimmt diese Perspektive in den Blick, welche Fähigkeiten auf der Subjektseite notwendig sind, um nicht nur den gestiegenen Mobilitäts- und Flexibilitätsansprüchen begegnen, sondern auch die damit einhergehenden subjektiven (Un-)Sicherheitskonstellationen lebensweltlich und biografisch bewältigen zu können. Dynamiken und Verstetigungstendenzen im Hilfebezug verweisen auf Transformationsprozesse von Arbeitsvermögen. Dieses verschwindet, verändert oder generiert sich jedoch jenseits der Maßgaben sozialer Zuordnung, so dass Prozesse der Genese und Erosion nur über längere Zeiträume realistisch abgebildet werden können.

Zielsetzung

Durch das Forschungsvorhaben werden nicht nur die Erkenntnisse zu den Auswirkungen von Arbeitslosigkeit unter den spezifischen Bedingungen des SGB II nachhaltig erweitert, sondern es werden vor allem auch konkretere Ergebnisse für die Konzipierung von Maßnahmen und Aktivierungsstrategien ableitbar. Neue Erkenntnisse verspricht auch die Untersuchung geförderter Beschäftigung nach § 16e SGB II. In diesem Zusammenhang ist zu analysieren, ob sich die Genese von Arbeitsvermögen innerhalb betrieblicher Beschäftigung grundlegend von den bisher gängigen Formen öffentlich geförderter Beschäftigung unterscheidet.

Methode

Die Untersuchung ist explorativ sowie rekonstruktiv angelegt und folgt Methoden der interpretativen, qualitativen Sozialforschung: Mit einer im "theoretical sampling"-Verfahren aufgebauten Stichprobe von erwerbsfähigen Hilfebedürftigen werden nichtstandardisierte, narrative Interviews durchgeführt. Um Verlaufsprozesse zu erschließen ist die Befragung als Panel konzipiert. In einer ersten Projektphase wurden Erhebungen in 2 Wellen durchgeführt. Für den weiteren Projektverlauf sind Empiriephasen in einer dritten und vierten Befragungswelle ab April 2009 vorgesehen. Die Auswertung der Daten erfolgt unter verschiedenen Leitfragestellungen nach Maßgabe inhalts- und sequenzanalytischer Verfahren. Die Resultate werden auf Ergebnissen der Armuts-, Sozialhilfe-, Arbeitsmarkt- und Arbeitslosigkeitsforschung bezogen. Weitere theoretische Hintergründe stammen aus der Wissenssoziologie, der Arbeitssoziologie, der Subjektivitäts- und Biographieforschung sowie der Ungleichheits- und sozialen Differenzierungsforschung. Im Mittelpunkt der Erhebungen stehen erwerbsbiographisch orientierte Leitfadeninterviews mit Leistungsbeziehern nach SGB II: Langzeitarbeitslose und Personen, die zwischen prekärer Beschäftigung und Hilfebedürftigkeit pendeln. Aufgrund gesetzlich veränderter Rahmenbedingungen wird das bestehende Sample in einer dritten und vierten Befragungswelle um Personen erweitert, die in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, das gemäß § 16e SGB II gefördert wird. Die Untersuchungen werden an sieben Regionen in Deutschland durchgeführt.

Projektpartner

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

Hamburger Institut für Sozialforschung (HIS)

Weitere Informationen:

Projektseite beim IAB: http://www.iab.de/138/section.aspx/Projektdetails/k061207f16

Projektseite beim HIS: www.his-online.de/cms.asp?IDN=218&H='1189'

TV München sendet in "Stadtgespräch" ein Interview mit Petra Schütt zum Thema "Angst vor der Zukunft? Die haben viele, aus völlig unterschiedlichen Gründen" (13.7.2010). Sendung

Bücher/Artikel

Arbeitspapiere/Vorträge