Ausgeklappte Navigation Eingeklappte Navigation

Demografiesensible Entgeltpolitik - Alternsgerechte Personal- und Entgeltpolitik in Branchen und Unternehmen der Lowtech-Industrie

ISF-Forschungsschwerpunkt

Arbeit und Interesse, Arbeit und Gesellschaft, Arbeit und Betrieb

Projektträger

Das Vorhaben wird von der Hans-Böckler-Stiftung im Rahmen der Ausschreibung zum Thema „Demografischer Wandel und Arbeitspolitik“ gefördert (Projektnummer 2009-312-3).

ProjektbearbeiterInnen

Dr. Klaus Schmierl 089 / 27 29 21 - 0 klaus.schmierl@isf-muenchen.de
Dr. Stefanie Weimer 06131 / 45 10 0 stweimer@t-online.de

Projektlaufzeit: 5/2010 bis 7/2013

Projekthintergrund

Der demografische Wandel hat nicht nur die Gesellschaft, sondern auch Unternehmen und Betriebe erfasst - mit wachsender Dramatik in der Zukunft. Das Projektziel richtet sich auf die zentrale Fragestellung, wie eine alternsgerechte Personalpolitik und innovative arbeitspolitische Konzepte durch demografiesensible betriebliche Entgeltsysteme unterstützt und gestützt werden können.

Bei einer Sichtung der Demografieforschung bleibt ein augenfälliges Kennzeichen haften: Es liegt eine Vielzahl von Forschungsergebnissen zu den Beschäftigungsrisiken und Potenzialen älterer Beschäftigter, zu anwendungsorientierten Instrumenten und best-practice-Beispielen für die betriebliche Bewältigung der Alterung von Belegschaften vor – und dennoch gibt es bisher nur eine geringe Implementierung entsprechender Modelle in den Unternehmen.

Thesen und Fragestellungen

Unsere Kernthese: Eine wichtige Ursache dieser mangelnden Verbreitung arbeitspolitischer Modelle zum Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit älterer ArbeitnehmerInnen liegt darin, dass sie die Regulierung betrieblicher Entgelt- und Leistungspolitik zu wenig in den Blick nehmen. Betriebliche Entgeltsysteme stellen jedoch einen zentralen Bestandteil der Handlungsfelder alternsgerechter Personalpolitik dar: Erwerbsbiografie, Arbeitspolitik, Qualifizierungspolitik, Leistungspolitik. Innovative demografieorientierte Arbeitsgestaltungsmodelle, lebenslanges Lernen, generationenübergreifende Zusammenarbeit und ein funktionierender Erfahrungstransfer erfordern eine Flankierung durch „demografiesensible“, erwerbsbiografisch ausgerichtete Entgeltsysteme, die dem altersspezifischen Leistungswandel angepasst sind, Tätigkeitswechsel fördern und eine arbeitsplatznahe, kontinuierliche Qualifizierung sowohl für die älteren Belegschaftsmitglieder als auch deren jüngere KollegInnen ermöglichen.

Das Forschungsvorhaben wird Antworten auf folgende Fragen suchen: Wie können Entgeltsysteme aussehen, die eine erwerbsbiografische Perspektive integrieren, die also die Leistungsfähigkeit und die Lebenslagen aller Altersgruppen im Betrieb gleichermaßen berücksichtigen? Welche Entgeltgrundlagen und –methoden bieten sich hierfür im Betrieb diskriminierungsfrei für alle Alterskohorten an? Inwieweit müssen sich Leistungsentgeltmodelle inklusive deren Leistungskennziffern verändern? Die Möglichkeit zur Entwicklung einer demo-grafiesensiblen Entgeltpolitik wird auf zwei Ebenen untersucht: In einer strukturell-regulativen Dimension stehen die Anforderungen an die konkrete Ausgestaltung demografiesensibler Entgeltsysteme im Vordergrund. In einer subjektiven Dimension sind die lebensphasenspezifischen Handlungsorientierungen und Leistungsdefinitionen der verschiedenen Altersgruppen im Betrieb zu identifizieren, die in eine leistungs- und alternsgerechte Entgeltpolitik einfließen müssen.

Vorgehen sowie zentrale Untersuchungsfelder und Methoden

Im Mittelpunkt der empirischen Untersuchungen stehen Formen, Voraussetzungen und Wirkungen demografiesensibler Entgeltsysteme, die eine präventive Arbeits- und Personalpolitik fördern sowie einen längeren Verbleib älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in alternsgerechter „Guter Arbeit“ sicherstellen sollen. Der Schwerpunkt liegt auf Branchen und Betrieben der sogenannten Lowtech-Industrie, wo die Beschäftigungsverhältnisse und Entgeltgrundlagen älterer Arbeitnehmer unter besonders alterskritischen Risikobedingungen zu erforschen sind.

Den empirischen Kern der Untersuchung bilden insgesamt sechs Intensivfallstudien in drei Branchen mit deutlich sich unterscheidender technisch-organisatorischer Struktur der Arbeits- und Fertigungsprozesse, die nach Automationsgrad, Arbeitsintensität, Betriebsgröße und betrieblicher Personalpolitik variieren (Ernährungsgewerbe, Holzindustrie, Bauindustrie). Um Potenziale und Realisierung demografiesensibler Entgeltsysteme unter möglichst breit variierenden Bedingungen hinsichtlich der Altersstruktur und der Anteile älterer ArbeitnehmerInnen in der Belegschaft prüfen zu können, erfolgt damit eine kontrastierende Auswahl der in die Untersuchung einzubeziehenden Branchen und Betriebe, für die jeweils spezifische demografiesensible Entgeltsysteme zu entwickeln sind.

In den ausgewählten Betrieben finden der Tradition qualitativer Sozialforschung folgend frageleitfadengestützte Expertengespräche mit den zentralen Akteuren betrieblicher Entgeltpolitik (Personalverantwortliche, Arbeits-/Zeitstudienfachleute, Produktionsleitung und Meister sowie Betriebsräte) sowie Einzelinterviews und Gruppendiskussionen mit Beschäftigten statt. Ergänzend werden die Interviewergebnisse durch Auswertung der einschlägigen Forschungsliteratur sowie durch Betriebsbegehungen und Dokumentenanalysen betrieblichen Materials validiert.

Weitere Informationen:

Projekt-Flyer

Bücher/Artikel

Arbeitspapiere/Vorträge