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Neue Karrierewege und lebenslanges Lernen - das Beispiel der Führungskräfte der industriellen Produktion

ISF-Forschungsschwerpunkt

Arbeitsmarkt und Bildung, Arbeit und Betrieb

Projektträger

Gefördert von der Europäischen Kommission - Programm Leonardo

ProjektbearbeiterInnen

Dr. Ingrid Drexel

Projektlaufzeit: 11/1997 bis 7/2000


Ausgangsproblem:

Substitution von Meistern durch Ingenieure und mögliche Folgeprobleme

In Deutschland wie in anderen europäischen Ländern entwickeln Betriebe zunehmend neue Politiken der Rekrutierung von Produktionsführungskräften (Meistern): Die Kategorie der aus der Arbeiterschaft aufgestiegenen Führungskräfte wird abgelöst durch junge Absolventen höherer schulischer Bildungsgänge. Noch ist die quantitative Bedeutung solcher "Seiteneinstiege" in Deutschland relativ begrenzt. Sie könnten aber, wenn sie sich ausbreiten, wichtige Grundlagen des bestehenden Berufsbildungssystems, insbesondere die Aufstiegschancen für Absolventen des Dualen Systems, und der Arbeitsbeziehungen in deutschen Betrieben in Frage stellen. Deshalb erschien es sinnvoll, bereits frühzeitig die Ursachen und die Folgen betrieblicher Substitutionspolitiken, ihre Verbreitungspotentiale sowie eventuelle Erfordernisse und Möglichkeiten einer (bildungs-)politischen Intervention zu analysieren.

Zielsetzung des Projekts:

Die Klärung betrieblicher und gesellschaftlicher Hintergründe und Folgen
in der Perspektive bildungspolitischer Schlußfolgerungen

Das Projekt zielte darauf ab, neue Formen der Rekrutierung von Produktionsführungskräften und neue Wege des Kompetenzerwerbs in formalisierten Bildungsgängen und im Arbeitsprozeß näher zu untersuchen - und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch in zwei Ländern mit bereits stärker entwickelten Substitutionspolitiken (Frankreich und Vereinigtes Königreich). Dabei wurden in exemplarischen Fällen sowohl die teilweise ganz ähnlichen, teilweise sehr unterschiedlichen betrieblichen Motive und Strategien dieser Politiken als auch ihre jeweiligen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (die Aus- und Weiterbildungssysteme, der formelle und faktische Status der traditionellen Führungskräfte, das jeweilige Arbeitsmarktangebot an potentiellen Substitutionskräften) sowie die Wechselwirkungen zwischen betrieblichen Strategien und gesellschaftlichen Bedingungen geklärt. Zudem wurden, soweit das der Stand der Entwicklung der neuen Personalpolitiken erlaubte, ihre problematischen Konsequenzen für traditionell qualifizierte Meister und aufstiegsinteressierte qualifizierte Arbeiter, aber auch die (keineswegs nur positiven) Folgen für Betriebe und junge Hochqualifizierte untersucht.

Die vergleichende Analyse der Entwicklungen in den drei Ländern zeigt die große Bedeutung von wenig tayloristischer Arbeitsteilung in Wechselwirkung mit einer für das ganze Land einheitlichen qualifizierten Aus- und Fortbildung von Aufstiegsmeistern für ihren Status in Betrieben und Gesellschaft und für ihre Chancen - und die des Arbeiteraufstiegs -, sich gegen Tendenzen einer Akademisierung der Ebene der Produktionsführungskräfte zu behaupten. Angesichts der zumindest ambivalenten Konsequenzen von Substitutionspolitiken für alle Beteiligten führt dieses Ergebnis zu bildungspolitischen Empfehlungen, die sich in Deutschland schwergewichtig auf die Stärkung des Aufstiegswegs zur Meisterposition und die Schaffung flankierender Aufstiegsmöglichkeiten für Facharbeiter richten, in Frankreich und vor allem in England, wo die Voraussetzungen für eine solche Strategie schon weitgehend erodiert sind, auf die Absicherung einer Koexistenz von Aufstieg und Seiteinstieg.

Methoden

Kooperation mit Forschungsteams aus Frankreich und England, Projektkonzeption und -koordination durch das ISF; inhaltlich abgestimmte empirische Untersuchungen im jeweiligen Land durch die nationalen Teams, mit wechselseitiger Beteiligung an einzelnen Betriebserhebungen; Betriebsfallstudien in je drei deutschen, französischen und englischen Betrieben (Maschinenbau, chemische Industrie), ca. 50 Expertengespräche mit Vertretern von betrieblichem Management und Interessenvertretung sowie Auswertung betrieblicher Daten und Dokumente; Auswertung vorliegender Untersuchungen und statistischer Daten insbesondere zur Situation der Meister und zur Entwicklung der jeweiligen Berufsbildungssysteme; Darstellung der Ergebnisse in nationalen Teilberichten durch die jeweiligen Teams; darauf aufbauend vergleichende Analyse und Ermittlung allgemeinerer Zusammenhänge durch die Forscher aus Frankreich und Deutschland.

Weitere Informationen:

Kontakt: Dr. Ingrid Drexel

Projektveröffentlichungen:

Möbus, Martine (2000): L'encadrement intermédiaire dans l'industrie: Quelles formes de renouvellement en Allemagne, en France et au Royaume Uni? In: CEREQ BREF no. 170, Marseille.

Bücher/Artikel

Arbeitspapiere/Vorträge