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English version
Die Bedeutung klassischer Industriesektoren für Wirtschaft und Beschäftigungssicherung Das seit Dezember 2002 von der Europäischen Kommission geförderte Projektvorhaben (Politik und Innovation in reifen Industriezweigen - Wissensbildung, Beschäftigung und Wachstum der klassischen Industrien in Europa) greift die industrie- und beschäftigungspolitische Frage auf, inwieweit sich Europa ausschließlich auf Hochtechnologie-Industrien konzentrieren soll und kann, um langfristiges Wirtschaftswachstum und die Lösung von Beschäftigungsproblemen zu ermöglichen. In der gegenwärtigen, lediglich unter Arbeits- und Lohnkostengesichtspunkten geführten Standortdebatte werden den Produktionsprozessen von technologisch ausgereiften Industriesektoren keine wesentlichen Kernkompetenzen zugeschrieben. In dieser Perspektive erscheint die Herstellung von einfachen Standardprodukten im (vermeintlichen) Übergangsstadium des Industrielandes Deutschland bzw. der übrigen europäischen Industrienationen zur Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft allenfalls vorübergehend und nur mehr kurzfristig als sinnvoll. In der Konsequenz dieser Betrachtungsweise konzentrieren sich volkswirtschaftliche Patentrezepte zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit reifer Industrienationen ausschließlich auf High-Tech-Produkte und -Prozesse. Einfache Produkte bzw. „reife“ Industriebranchen spielen in Strategien zur Sicherstellung der „technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands“ kaum eine Rolle, da ihnen nur sehr begrenzte Zukunftsaussichten zugebilligt werden. Die Eingangsfrage lässt sich allerdings auch aus einer gegenläufigen Blickrichtung stellen: Soll Europa Wachstumschancen in den Industrien suchen und forcieren, auf denen die europäische Ökonomie mit Beschäftigungsanteilen von 50 des gesamtwirtschaftlichen Beschäftigungsvolumens (noch) gründet: Produktions- und Dienstleistungsbranchen im mittleren oder unteren Technologiesegment? Nach einer gebräuchlichen OECD-Taxonomie ist von Low-Tech-Sektoren dann zu sprechen, wenn der Anteil der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (FuE) am Umsatz der Unternehmen die durchschnittliche FuE-Intensität im Verarbeitenden Gewerbe deutlich unterschreitet. Industrien mit einer durchschnittlichen FuE-Intensität von mehr als vier Prozent werden als „high-tech“ klassifiziert. Wirtschaftssegmente mit ein bis vier Prozent Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen gelten als „medium-tech“ und solche mit unter einem Prozent als „low-tech“. Im Einzelnen sind letztgenanntem Sektor beispielsweise Industriezweige wie Kunststoffverarbeitung, Gummiverarbeitung, Eisen- und Stahlerzeugung, NE-Metallerzeugung, Stahl- und Leichtmetallbau, EBM-Warenindustrie, Papier- und Pappeverarbeitung, Textil- und Bekleidungsindustrie, Leder- und Schuhindustrie, Holzverarbeitung zuzuordnen. Das Projektvorhaben geht von der Annahme aus, dass Industriezweige mit einem hohen Standardisierungsgrad von Produkten und überdurchschnittlich langen Produktlebenszyklen in quantitativer und qualitativer Perspektive in den (vermeintlichen) High-Tech-Ländern Europas auch weiterhin durchaus erhebliches Gewicht haben werden. Dieser quantitative Stellenwert widerspricht der (geringen) Beachtung, die diesem Industriesegment im wirtschaftswissenschaftlichen und industriepolitischen Mainstream geschenkt wird. Diese Nichtberücksichtigung in der aktuellen Prioritätensetzung geht nach Einschätzung der beteiligten wissenschaftlichen Projektpartner nicht zuletzt auf eine Forschungslücke über die Bedeutung, Verbreitung und Beschäftigungsdimensionen von ausgereiften Industrien im nationalen und europäischen Kontext zurück. Analysen zu diesem Sektor zeichnen sich durch eine Dominanz von quantitativen Studien und statistischem Material aus, die auf nur einem Aspekt der Definition beruhen: der FuE-Intensität. Andere Beschreibungskategorien bleiben hingegen unterbelichtet. Ziel des Projektvorhabens ist daher, diese Forschungslücken durch theoretische und empirische Arbeiten in folgenden Forschungsfeldern zu schließen:
Die daran orientierte Forschung wird unterschiedliche ökonomisch-soziale Ebenen in den Blick nehmen und soll durch empirische Untersuchungen auf der Makroebene von Europa und einzelnen Nationen, auf der Mesoebene zwischenbetrieblicher Beziehungen innerhalb von Regionen und auf der Mikroebene einzelner Unternehmen die wechselseitigen Wirkungszusammenhänge aufzeigen. Beschäftigungssicherung am Wirtschaftsstandort
Den Kern des europäischen Projektvorhabens und den Schwerpunkt der Arbeiten des ISF München im PILOT-Projekt bilden intensive empirische Fallstudien zu den Themenfeldern:
Dieser Teil des geplanten europäischen Forschungsprogramms ist unter vier Aspekten für den Wirtschaftsstandort Europa im Allgemeinen und Deutschland im Besonderen von zentraler Bedeutung:
In empirischer Hinsicht sind detaillierte Erkenntnisse zu den Innovationsstrategien von Low-Tech-Unternehmen sowie zu den nationalspezifischen und regionalen Umfeldbedingungen zu erwarten, die in allen am Vorhaben beteiligten Ländern parallel untersucht werden: In wirtschaftsstrategischer Hinsicht werden erfolgreiche und nachhaltige Strategien von Wirtschaftsunternehmen in drei Feldern zu identifizieren gesucht:
Für den letztgenannten Aspekt sollen regionale Arbeitsmärkte, regionale Institutionen, regionale Absatzmärkte und regionale Produktions- und Distributionsnetze und -cluster untersucht werden. Das Ziel ist die Untersuchung von Wechselwirkungen zwischen einzelbetrieblicher Innovation, sektoralem Wachstum und gesellschaftlichen Beschäftigungsperspektiven. Zu überprüfen ist dabei die Projektannahme, dass aus volkswirtschaftlicher Sicht ein industriestruktureller Mix aus sich funktional ergänzenden industriellen Bereichen unterschiedlichster Produkt- und Prozesskomplexität zukunftsfähiger sein könnte als eine ausschließliche High-Tech-Orientierung. Denn zwischen den beiden Polen „Laptop und Lederhose“ befindet sich ein breites industrielles Feld, dessen wirtschaftsstrukturelle Bedeutung bisher nur in Ansätzen dokumentiert ist. In politischer Hinsicht lassen sich von dem Projekt auf vier Feldern Schlussfolgerungen und Empfehlungen erwarten: Struktur des Forschungsverbunds
Europäische interdisziplinäre Kooperation: Das ISF München hat im Verbund die Aufgabe der Koordination des Arbeitspaketes „The low tech company“ übernommen und ist damit schwerpunktmäßig für die Koordination der Unternehmensfallstudien im Forschungsverbund verantwortlich.
Projektpartner
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