KoMiK – Digitale Kooperationssysteme im Mittelstand: innovative Kommunikations- und Kooperationsprozesse in der digitalen Arbeitswelt. Teilprojekt: Wandel der Arbeitskultur und Personalpolitik im Zusammenhang mit digitalen Kooperationssystemen

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Projektbeschreibung

Ziel des Forschungsvorhabens KoMiK ist, die Auswahl, den Einführungsprozess und die Effekte von Enterprise Collaboration Systems (ECS) in kleinen bis mittelständischen Unternehmen auf der Grundlage einer Längsschnittstudie zu untersuchen. Die damit verfolgte Zielsetzung ist die Zusammenfassung und Aufbereitung der Erkenntnisse zu erfolgreichen Lösungswegen in einer öffentlich zugänglichen Praktikerbroschüre in übersichtlicher Form.

Zur möglichst ganzheitlichen und nachhaltigen Betrachtung der potentiellen und im Projekt entwickelten Lösungen werden die fünf Forschungsdimensionen:

  1. Geschäftsprozess
  2. Technikakzeptanz und Belastungserleben
  3. Kommunikation
  4. Technik
  5. Qualifikation, Arbeitsteilung und Personalentwicklung

berücksichtigt und arbeitsteilig anhand der jeweiligen Disziplinen und Stärken der Verbundprojektpartner untersucht.

Der Einführungsprozess dieser ECS ist (neben anderen) der gemeinsame Untersuchungsgegenstand aller Forschungspartner, wobei jeder Forschungspartner in der Abgrenzung zu den anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern seinen besonderen, auch in der eigenen Wissenschaftsdisziplin begründeten, Analyseschwerpunkt setzt und den Einführungsprozess in ausgewählten Dimensionen untersucht. Das ISF München wird sich im Rahmen des Projekts schwerpunktmäßig und in Arbeitsteilung mit den anderen Forschungspartnern mit der ersten Forschungsdimension „Geschäftsprozesse (im Sinne von Arbeitsprozessen)“ und der fünften Forschungsdimension „Qualifikation, Arbeitsteilung und Personalentwicklung“ befassen.

Das ISF München steht vor der vorwiegend empirischen, wissenschaftlichen Aufgabenstellung, dass es zwar einen hohen Bedarf für ECS (Enterprise Collaboration Systems) in der gesamten Wirtschaft und einen besonderen Nachhohlbedarf hierzu bei KMU gibt, dass allerdings bislang keinerlei systematische und valide sozialwissenschaftliche Forschungsergebnisse über Einführungsprozesse, Begleiterscheinungen, Voraussetzungen und Folgen von ECS auf die Arbeitskräfte existieren. Das ISF München und der Projektleiter Dr. Klaus Schmierl verfügen über langjährige Erfahrungen mit qualitativer empirischer Erforschung zu den Wirkungen des Technikeinsatzes auf die Qualifikationen und Arbeitsplätze, auf Arbeitsbedingungen der Beschäftigten sowie im Hinblick auf die personalpolitischen Vorgehensweisen in Betrieben.

Die hauptsächliche sozialwissenschaftliche Zielsetzung des ISF München im Projekt ist vor diesem Hintergrund die intensive sozialwissenschaftliche Erforschung der Wirkungen eines digitalen Kommunikationssystems und die qualitative Begleitforschung zu den Einführungsprozessen im Hinblick auf die Entscheidungsfindung und maßgeblichen Akteure, zur Weiterbildung und Qualifizierung, Personalentwicklung, Hierarchie und Unternehmenskultur in den Verbundunternehmen zu mehreren Untersuchungszeitpunkten: In einer ersten grundlegenden Bestandsaufnahme vor Einführung des ECS, durch eine Zwischenevaluation zur Abschätzung der ersten Implementierungseffekte und zum Abschätzen von Möglichkeiten zur Anpassung oder Neuausrichtung von Aktivitäten der Unternehmen sowie mittels einer Abschlussevaluation und finalen Wirkungsforschung zur vollständig erfolgten Einführung von ECS in den beteiligten Projektunternehmen.

Die thematische Fokussierung des ISF München greift insbesondere die Arbeitsprozesse und die betriebliche Personalpolitik auf:

  1. Im analytischen Blick auf die Arbeitsprozesse werden bei den beteiligten Anwendungspartnern die betrieblichen Charakteristika hinsichtlich der horizontalen und vertikalen Arbeitsteilung, der Arbeitsorganisation und der funktionalen Zuständigkeiten Hierarchie sowie die besonderen betrieblichen Auswahl- und Einführungsprozesse bei der Implementierung eines ECS untersucht. Im Rahmen der empirischen Erhebungen zu den drei Phasen werden zu den soeben genannten betrieblichen Kennzeichen die Ausgangslage vor der Einführung des ECS, die Entscheidungsprozesse während und die Auswirkungen auf die Arbeitsprozesse infolge der Nutzung der Systeme nach der Einführung erhoben.
  1. Im Hinblick auf die Personalentwicklungspolitik untersucht das ISF München aus dem Blickwinkel der Sozialwissenschaft die Ausgangssituation, Einführung und Wirkungen von ECS im Hinblick auf Berufsbilder und maßgebliche Veränderungen in den Qualifikationen sowie im Rahmen der ECS-Einführung durchgeführte Schulungsmaßnahmen und Personalentwicklungsmaßnahmen sowie Voraussetzungen von und Wirkungen auf Partizipation und Unternehmenskultur.

Damit werden in der sozialwissenschaftlichen Analyse speziell die folgenden Fragestellungen im Bezug auf Arbeitsprozesse, Qualifikationen, Arbeitsteilung und Personalentwicklung verfolgt:

  1. Durch welche betriebsspezifischen Kennzeichen sind die Arbeitsprozesse und Arbeitsorganisation geprägt und wie verändern sich diese im Zuge der ECS-Implementierung?
  2. Wie lassen sich Mitarbeiter für die ECS-Einführung qualifizieren?
  3. Wie verändern sich Qualifikationen, Hierarchie, Partizipation und Unternehmenskultur durch die ECS-Einführung?

Auf diese Weise sollen die Erfolgsfaktoren für die nachhaltige Nutzung des Systems untersucht werden, die schließlich auch auf andere Unternehmen übertragen werden können. Es geht aber auch darum, Bruchstellen, Hemmnisse und Widerstände in der Arbeits- und Unternehmenskultur zu identifizieren, um daraus für künftige oder anderweitige Implementierungsverfahren im selben oder anderen Unternehmen Lehren zu ziehen. Schließlich wird beim begleitenden Forschungsprojekt des ISF München in besonderem Maße die Perspektive der betroffenen Beschäftigten sowie der betrieblichen Interessenvertretung (Betriebsrat) analysiert, um ggf. aus dem Projekt Erkenntnisse abzuleiten, welche Instrumente und besonderen Vorgehensweisen einen sozial und human verträglichen bzw. nachhaltigen Einführungsprozess (unter-)stützen können (z. B. Betriebsvereinbarungen, Regularien, spezifische Informationsveranstaltungen und Kommunikationsverfahren).

Der das Projekt bearbeitende Arbeits- und Industriesoziologe Dr. Klaus Schmierl arbeitet mit dem Ansatz qualitativer Sozialforschung: In den qualitativen Erhebungen wird von ihm zu drei Zeitpunkten jeweils eine Welle von Befragungen in den Anwenderunternehmen mit betrieblichen Funktionsträgern (Personalleitungen, Betriebsräten, Abteilungsleitern), Entscheidern (über die Auswahl und Einführung des ECS) und betroffenen Beschäftigten durchgeführt: Als Bestandsaufnahme unmittelbar vor der Einführung des ECS in der Auswahlphase, als Zwischenevaluation zu den ersten Anwendungserfahrungen und Möglichkeiten zum Umsteuern oder zur Berücksichtigung neuer Anforderungen aus der sozialwissenschaftlichen Zwischenanalyse sowie als Abschlussevaluation zur Wirkungsforschung der eingeführten ECS.

Verbundprojektkonsortium

 

ProjektbearbeiterInnen

Projektlaufzeit

03/2019 bis 02/2022

Projektträger

BMBF/PTK