Beruflichkeit und übergreifende Kollaboration im Betrieb

Projektbeschreibung

Beruflichkeit und Kompetenzen für fach- und qualifikationsübergreifende Kooperation

Die Bedeutung von Beruflichkeit gerät in den Debatten um den aktuellen Wandel von Arbeit (New Work, Industrie 4.0) zunehmend aus dem Blick. Der Diskurs dreht sich vor dem Hintergrund einer fortschreitenden Digitalisierung um polarisierende Entwicklungen wie Akademisierung, Dequalifizierung, zunehmende Bedeutung von Residualtätigkeiten und die Relevanz von ‚soft skills‘. Das konkrete Arbeitshandeln im Betrieb spielt dabei kaum eine Rolle, und so bleibt auch der Blick auf Beruflichkeit reduziert. Während in Debatten und betrieblicher Realität ein auf Spezialisierung fixiertes „Silodenken“ nach wie vor vorherrscht, gehen wir davon aus, dass der digitale Wandel von Arbeit zunehmend direkte und indirekte fach- und qualifikationsübergreifende Kooperation im Arbeits­handeln erfordert. Diese verlangt in besonderem Maße Kompetenzen wie organisationales Arbeitsvermögen und erfahrungsbasiertes Kontextwis­sen. These ist, dass diese Kompetenzen in engem Zusammenhang mit Beruflichkeit stehen. Sie sind jedoch selbst im aktuellen „Leitbild der erweiterten modernen Beruflichkeit“ der IG Metall nicht ausreichend erfasst.

Zielsetzung und Fragestellungen

Im Vorhaben wird die Frage erörtert, ob und wie sich Beruflichkeit unter den Bedingungen des dynamischen Wandels digitalisierter und vernetzter, mithin agiler Arbeit bewährt, sowohl in den täglichen Arbeitsprozessen als auch für die Unternehmen insgesamt. Hierfür wird

(a) das kooperative Arbeitshandeln über Fach- und Qualifikationsgrenzen hinweg in den Blick genommen und dahingehend untersucht, ob und welche spezifischen Gelingensbedingungen und Kompetenzen hierfür im Zusammenhang mit Beruflichkeit stehen, werden

(b) betriebliche Rahmungen dessen betrachtet und wird

(c) auf dieser Basis eine systematische Anreicherung des Konzepts Beruflichkeit geprüft.

‚Suchscheinwerfer‘ bilden dabei die Konzepte des organisationalen Arbeitsvermögens und des erfahrungsbasierten Kontextwissens. Beide Konzepte stützen die Relevanz von Beruflichkeit und bieten gleichzeitig Erweiterungsmöglichkeiten in spezifischen Aspekten der Beruflichkeit, so etwa eine breite fachliche Qualifikation, Handlungsfähigkeit auch in Bezug auf Ungewissheit, praktische Erfahrung und fachliche sowie erfahrungsgeleitete Kooperationsfähigkeit.

Vorgehen

In Primärerhebungen werden qualitative Betriebsfallstudien in den Sektoren Produktion und IT durchgeführt sowie ExpertInneninterviews mit Vertretern aus dem Wissenschafts- und Bildungsbereich. In Sekundäranalysen werden qualitative Beschäftigteninterviews aus der Produktion sowie ExpertInneninterviews mit Vertretern von Bildungspolitik, Verbänden und Sozialpartnern ausgewertet. Dabei kommen unterschiedliche Methoden der qualitativen Sozialforschung zum Einsatz. Die Ergebnisse aus Primär- und Sekundärauswertung werden in komplementärer Auswertung aufeinander bezogen und in Feedbackworkshops an die Fallunternehmen zurückgespiegelt.

ProjektbearbeiterInnen

Projektlaufzeit

03/2019 bis 02/2021

Projektträger

Das Vorhaben wird aus Mitteln der Hans-Böckler-Stiftung gefördert.