Bewältigung betrieblicher Innovationsprozesse mit älteren Mitarbeitern ein Problem oder eine Chance?

Projektbeschreibung

Ausgangssituation und Problemlage
Aufgrund demographischer Verschiebungen steigt das Durchschnittsalter der Bevölkerung und der Erwerbstätigen. Die Belegschaften werden daher rasch altern. Diese Entwicklung bringt für das Handwerk besondere Probleme mit sich:

  • zum einen wird es das Handwerk zunehmend schwer haben, auf dem externen Arbeitsmarkt junge, qualifizierte Nachwuchskräfte zu rekrutieren,
  • zum anderen wird es zu einer zusätzlichen Steigerung des betrieblichen Durchschnittsalters der Beschäftigten im Handwerk kommen, weil die bisher übliche Abwanderung vor allem jüngerer Arbeitskräfte aus dem Handwerk in die Industrie und den Dienstleistungssektor wegen des dort rückläufigen Personalbedarfs tendenziell zurückgehen dürfte.

Die Folge ist, daß es die Handwerksunternehmen daher in Zukunft mit einem steigenden Anteil älterer Mitarbeiter zu tun haben werden, eine Situation, auf die die meisten eher an überdurchschnittlich junge Belegschaften gewohnten Handwerksbetriebe personalpolitisch kaum vorbereitet sind.

Gleichzeitig steht das Handwerk, will es seine Position in der Wirtschaft behaupten, vor erheblichen Herausforderungen. Da viele angestammte Märkte eher schrumpfen werden, kommt es entscheidend darauf an, neue Absatzfelder zu erschließen.

Ein Beispiel dafür ist das SHK-Gewerbe, das sich einerseits wachsendem Wettbewerbsdruck ausgesetzt sieht, dem sich andererseits aber aufgrund wachsenden Umweltbewußtseins eine Vielzahl neuer Marktchancen auf dem Gebiet der ökologischen Haustechnik eröffnet. Die Erschließung wird der Branche aber nicht in den Schoß fallen, sondern sie erfordert erhebliche Anstrengungen.

Fest steht: Das SHK-Gewerbe wird aufgrund der oben skizzierten Entwicklung die mit der Einführung der ökologischen Haustechnik verbundenen weitreichenden technischen und vor allem organisatorischen Innovationsprozesse mit tendenziell älter werdenden Belegschaften bewältigen müssen.

Für die älteren Arbeitnehmer im Handwerk sind Qualifizierungschancen und Einsatzmöglichkeiten auch in den neuen Angebotsfeldern von zentraler Bedeutung für ihre Beschäftigungssicherheit und Arbeitsmarktsituation. Auch aus der Perspektive der Handwerksunternehmen gilt, daß sie nicht darauf verzichten können, den reichen Schatz an Erfahrungswissen ihrer älteren Beschäftigten für die Bewältigung der Innovationsprozesse zu nutzen.

Fragestellungen
Vor diesem Hintergrund werden sich für SHK-Unternehmen, die neue Tätigkeitsfelder erschließen wollen, in Zukunft immer dringlicher folgende Frage stellen:

  • Wie erhalte und wecke ich die Innovationsbereitschaft und -fähigkeit meiner älteren Mitarbeiter?
  • Wie qualifiziere ich ältere Mitarbeiter für neue Aufgabenfelder?
  • Wo bieten sich in innovativen, neuen Tätigkeitsfeldern Einsatzmöglichkeiten für ältere Mitarbeiter, in denen ihre spezifischen Fähigkeiten zum Tragen kommen, bzw. wie müssen Arbeitsplätze gestaltet werden, damit dies möglich ist?

Bei der Lösung dieser Aufgaben kommt den Anbietern von Qualifizierungsmaßnahmen für die neuen Tätigkeitsfelder eine besondere Bedeutung zu. Auch sie müssen in Zukunft verstärkt darauf achten, daß ihre Angebote für den Adressatenkreis der älteren Beschäftigten aus dem Handwerk geeignet sind. Für sie werden sich folgende Fragen stellen:

  • Welche Möglichkeiten gibt es, mit unseren Qualifizierungsmaßnahmen systematisch an das Erfahrungspotential und Lernvermögen älterer Beschäftigter anzuknüpfen?
  • Lassen sich Qualifizierungskonzepte speziell für solche Aufgaben innerhalb der innovativen Tätigkeitsfelder entwickeln, die sich gerade für ältere Beschäftigte aus dem Handwerk eignen?

Ziel der Expertise
Die Expertise will in SHK-Betrieben, die bereits auf dem Sektor der ökologischen Haustechnik tätig sind bzw. dabei sind, sich diesen Markt zu erschließen, den Erfahrungen nachgehen, die man dort mit der organisatorischen und personellen Ausgestaltung dieses betrieblichen Umstellungsprozesses gemacht hat:

  • Welche neuen Qualifikationsanforderungen kamen auf die Beschäftigten zu? Welche Qualifizierungsstrategien wurden gewählt?
  • Was war an Neuorganisation betrieblicher Abläufe notwendig?
  • Welche Rolle spielten ältere Mitarbeiter im Innovationsprozeß?
  • Welche betrieblichen und überbetrieblichen Qualifizierungsmaßnahmen haben sich für diesen Personenkreis bewährt?
  • Welche neuen Tätigkeitsfelder sind entstanden und wie wurden sie besetzt?

Auch bei Anbietern thematisch einschlägiger Qualifizierungsmaßnahmen soll recherchiert werden, in welchem Ausmaß sie bereits derzeit mit älteren Teilnehmern aus dem Handwerk konfrontiert sind, welche Erfahrungen man mit älteren Teilnehmern gemacht hat und unter welchen Voraussetzungen und in welcher Form eine Anpassung der Angebote an das spezifische Lernverhalten und mögliche Einsatzfelder Älterer in den neuen Tätigkeitsbereichen möglich und notwendig erscheint.

Erwartete Ergebnisse
Auf dieser Basis sollen exemplarische Lösungskonzepte – sog. Best-practice-Fälle – identifiziert, beschrieben und im Handwerk verbreitet werden. Darauf können dann Beratungsangebote und Handlungsanleitungen aufbauen.
Ziel ist,

  • für die Handwerksunternehmen den Einbezug der älteren Mitarbeiter in betriebliche Innovationsprozesse zu erleichtern und dadurch wichtiges Erfahrungspotential zu nutzen und zu erhalten,
  • für die älteren Beschäftigten im Handwerk die Chancen zu einer Qualifizierung und damit verbunden die Einsatzfähigkeit in innovativen und zukunftsträchtigen Tätigkeitsfeldern im Handwerk zu verbessern.

 

ProjektbearbeiterInnen

  • Mendius, Hans Gerhard

Projektlaufzeit

07/1999 bis 02/2001

Projektträger

gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)