DiLAMi – Digitale Logistik, Arbeitsstrukturen & Mitbestimmung

Projektbeschreibung

1. Projektziele

Die Digitalisierung hat mittlerweile flächendeckend Einzug in die Logistik, in Kurier-, Express- und Paketdienste sowie in den Straßengüterverkehr gehalten. Die Digitalisierung trifft in der Transportlogistik auf ein arbeits- und tarifpolitisch vergleichsweise schwieriges, teilweise prekäres Umfeld. Digitalisierung bietet für die Arbeitsform mobiler Fahrdienstleistung neue Arbeitsanforderungen und Qualifizierungschancen sowie Möglichkeiten zur Entkopplung des Lernens von einem konkreten Lernort. Sie birgt aber auch Gefahren einer neuen zeitlichen und kognitiven Belastung sowie einer permanenten Überwachung und Leistungskontrolle. Das Projekt fokussiert sich auf die Alltagspraxis von Berufskraftfahrern sowie Kurier- und Expressfahrern und stellt die Anwenderperspektive ständig mobil Arbeitender in den Mittelpunkt.

2. Kontext

Ein starker Digitalisierungsschub, die wirtschaftliche Dynamik, die Größe mit ca. 810.000 Kraftfahrern, aber auch die besonderen Belastungen der Beschäftigten machen die Transportlogistik zu einem wichtigen Forschungsfeld. IT-Technik wie GPS, LTE, RFID, neue Sensorik, kommunizierende Waren, Internet of Things (IoT), Big Data, Fahrzeuge, Lager- und Produktionssysteme sowie digitale Transportmanagementsysteme und Frachtvermittlungen liefern in Echtzeit Daten und Analysen. Sie erlauben eine hochflexible Distributionssteuerung, ständige Erreichbarkeit und Kontrolle. Massiver Wettbewerbsdruck, erhebliche Änderungen in den Branchenstrukturen, zeitlich und räumlich flexible Arbeit, vielfach gering qualifizierte Beschäftigte, hoher Migrationsanteil, geringe Löhne und Nachwuchsmangel stellen besondere Herausforderungen für technische und arbeitsorganisatorische Veränderungen, für qualifizierte und belastungsfreie Arbeit sowie insbesondere für eine wirksame Mitbestimmung dar.

3. Fragestellung

Das Ziel des Projektes ist es, Voraussetzungen für die Verbesserung von Arbeitsbedingungen, Qualifizierung und Mitbestimmung zu identifizieren. Dies wird mittels einer empirischen Bestandsaufnahme von Digitalisierungseinsatz, Unternehmens- und Arbeitsorganisation, Arbeits- und Qualifikationsanforderungen, Gefährdungspotentialen und Chancen sowie Mitbestimmungsformen in einem systematischen Vergleich zweier zentraler Arbeitskräftekategorien (Berufskraftfahrer, Kurierfahrer) herausgearbeitet. Die vier zentralen Untersuchungsbereiche sind:

    1. die individuellen, qualifikatorischen und organisatorischen Voraussetzungen einer Autonomie förderlichen Nutzung digitalisierter Arbeitsmittel,
    2. damit zusammenhängende Formen der Aus-, Fort- und Weiterbildung im Betrieb,
    3. das Entstehen von neuen Handlungsspielräumen sowie
    4. Hemmnisse für Interessenvertretung bzw. neue Mitbestimmungschancen in der digitalisierten Logistik.
4. Untersuchungsmethoden

Es werden eigene qualitative empirische Erhebungen und quantitative Analysen durchgeführt:

    1. Zu den branchenspezifischen Entwicklungslinien der Digitalisierung werden qualitative Experteninterviews mit Technikentwicklern und -herstellern, bei Weiterbildungsanbietern, mit Gewerkschaftern und Logistikverbänden geführt.
    2. Im Zentrum der qualitativen Erhebungen stehen umfassende qualitative Betriebsfallstudien in 3 Unternehmen. In einer Systemspedition, einem Anbieter von Teil- und Komplettladungsverkehr und einem Kurier-, Express-, Paketdienst werden technisch, organisatorisch und personalpolitisch Verantwortliche, Betriebsräte sowie Mitarbeiter befragt.
    3. Mittels quantitativer Analysen unter Nutzung des IAB-Linked Employer-Employee-Datensatzes und des Sozioökonomischen Panels werden die besonderen „Problemdimensionen“ der Logistikbranche in die allgemeine Entwicklung von Arbeitsmarkt und Mitbestimmung eingebettet, um Besonderheiten und Verallgemeinerungen zu verdeutlichen.

Forschungskooperation

  • Prof. Dr. Olaf Struck
  • Eike Windscheid Professur für Arbeitswissenschaft Otto-Friedrich-Universität Bamberg

 

ProjektbearbeiterInnen

Projektlaufzeit

09/2018 bis 02/2021

Projektträger