Neue Belastungen durch Kooperation und Wissensaustausch

Projektbeschreibung

Der Ausgangspunkt des Vorhabens ist die seit Ende der 80er-Jahre stattfindende Reorganisation von Unternehmen mit ihren Auswirkungen auf die Arbeitssituation der MitarbeiterInnen. Durch die neuen Managementkonzepte und Leitbilder moderner Arbeit verändert sich die Stellung der Arbeitskräfte in den Unternehmen.

Die Ziel- und Fragestellung des Projektes richtet sich auf bisher noch kaum erkannte Belastungen durch neue Anforderungen an Kooperation und Wissensaustausch. Es werden Belastungen aufgezeigt, die daraus resultieren, dass bei neuen dezentralen Formen der Arbeits- und Betriebsorganisation einerseits die informelle Kooperation und Kommunikation in der alltäglichen Arbeit eine zentrale Rolle spielt, diese andererseits aber weder offiziell anerkannt noch unterstützt wird: Die Dezentralisierung richtet sich in den Unternehmen vor allem auf die Formalisierung der Kooperation und Kommunikation durch institutionalisierte Planungsgruppen und Meetings. Den Arbeitskräften wird damit die Verantwortung für die Koordination übertragen; zugleich werden die Möglichkeiten, diese Anforderungen zu bewältigen, einseitig festgelegt und reglementiert. Die in der laufenden Arbeit notwendigen situativen Abstimmungserfordernisse werden damit überwiegend zu einer verdeckten Leistung und führen zu weit reichenden neuen Belastungen.

Auf der Grundlage der Problemanalyse werden für die Interessenvertretungen in Betrieben anhand praktischer Beispiele neue Ansätze für die Arbeitsgestaltung im Rahmen der Dezentralisierung betrieblicher Organisation aufgezeigt.
Methodisch beruht die Untersuchung neben einer Sekundäranalyse bereits vorliegender Untersuchungen zur informellen Kooperation auf empirischen Erhebungen in Unternehmen unterschiedlicher Branchen. Hierbei werden Fallstudien in vier Unternehmen durchgeführt, wobei unterschiedliche Methoden der qualitativen Sozialforschung zur Anwendung kommen (Expertengespräche, Interviews und Gruppengespräche). Diese Fallstudien werden durch Befragungen zu übergreifenden Problemen in verschiedenen weiteren Unternehmen ergänzt.
Die Untersuchung liefert einen wesentlichen Beitrag zur Auseinandersetzung mit den Ambivalenzen neuer Konzepte und Formen der Betriebs- und Arbeitsorganisation. Für die Gewerkschaften und Gesellschaftspolitik insgesamt trägt die Untersuchung dazu bei, dem Thema Arbeitspolitik (wieder) einen neuen Stellenwert zu geben und die Notwendigkeit wie Möglichkeit einer neuen “Humanisierungsoffensive” zu begründen.

ProjektbearbeiterInnen

Projektlaufzeit

01/2005 bis 08/2006

Projektträger

Gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung