Offshoring und eine neue Phase der Internationalisierung von Arbeit

Projekt-Flyer

Projektbeschreibung

Idee

Die öffentliche Diskussion um Begriffe wie „Offshoring“
und „Nearshoring“ deutet eine neue Phase der
Internationalisierung von Arbeit an. War bislang vor
allem die industrielle Fertigung Gegenstand von Internationalisierungsprozessen,
so sind heute auch bestimmte
Dienstleistungsbereiche betroffen, die bislang
als weitgehend „internationalisierungsresistent“
galten. Mit dem Aufstieg neuer I&K-Technologien
(z.B. Internet) und der anhaltenden Informatisierung
der Arbeitswelt kann nun auch die Arbeit vieler „Angestellter“
und „Kopfarbeiter“ weltweit verteilt erbracht
werden. In vielen Off- und Nearshore-Regionen
stehen hierfür mittlerweile ausgebildete Fachkräfte
zur Verfügung, die zudem bereit sind, für einen
Bruchteil deutscher Löhne zu arbeiten.

Als Vorreiter dieser neuen Phase der Internationalisierung
gilt die IT-Industrie. Heute erweisen sich
auch der Aufbau sog. „shared services center“ in
Niedriglohnländern, in denen Unternehmen ihre
Verwaltungstätigkeiten konzentrieren, sowie die zunehmende
Internationalisierung von Forschungs- und
Entwicklungsabteilungen und Ingenieurstätigkeiten
als weitere zentrale Felder.

Damit stehen die Beschäftigten dieser Branchen vor
einer neuen Ausgangssituation: auch als „Angestellte“
und „Kopfarbeiter“ sind sie nun den Zwängen
der Globalisierung ausgesetzt und müssen mit Arbeitskräften
aus der ganzen Welt konkurrieren. Die
Herausforderungen, vor denen sie stehen, sind dabei
nicht einfach: auf der einen Seite müssen sie sich
mit der möglichen Verlagerung ihrer Arbeitsplätze
auseinandersetzen, und auf der anderen Seite werden
sie als hochqualifizierte Fachkräfte oftmals zu
zentralen Akteuren in Internationalisierungsprozessen,
die ohne ihr Know-how kaum erfolgreich verlaufen
können. Im Mittelpunkt des Forschungsprojektes
sollen deshalb die Beschäftigten und ihre
Erfahrungen im Umgang mit der neuen Phase der
Internationalisierung stehen.

Ziel

Gegenstand des Forschungsprojekts ist eine explorative
Untersuchung der Auswirkungen und Folgen
der neuen Phase der Internationalisierung. Ziel ist
es, diese Entwicklung in unterschiedlichen Feldern
(Software-Entwicklung, Verwaltung sowie R&D) jeweils
aus der besonderen Perspektive der Beschäftigten
in den Blick zu nehmen:

  • Wie erleben „Angestellte“ und „Kopfarbeiter“
    die Internationalisierung ihrer Arbeit?
  • Welche Erwartungen, Hoffnungen und evtl.
    Ängste verbinden sie damit?
  • Wie gehen sie mit neuen Unsicherheiten und
    dem Wandel ihrer Arbeit um?
  • Welche Maßnahmen erwarten die Beschäftigten
    von Unternehmen, Gewerkschaften und
    Politik?

Neben der Frage nach den Folgen für die Arbeitsbeziehungen
zielt das Projekt immer auch darauf ab,
Ansätze und Beispiele nachhaltiger Internationalisierungsstrategien
zu identifizieren und zu verallgemeinern.
Die besondere Forschungsperspektive dieses
Projekts lässt deshalb Ergebnisse erwarten, die für
Unternehmen, Gewerkschaften und Verbände, Wissenschaft
und Politik gleichermaßen wertvoll sind.

Methode

Die Analyse erfordert ein methodisches Vorgehen,
das sowohl auf der Ebene des Individuums als auch
auf der Ebene des Unternehmens ansetzt. Im Mittelpunkt
stehen Interviews und Gruppendiskussionen
mit betroffenen Beschäftigten. Sie sind eingebettet
in Unternehmensfallstudien. Insbesondere der Vergleich
der gewählten Felder gewährleistet eine hohe
Generalisierbarkeit der Ergebnisse.

ProjektbearbeiterInnen

Projektlaufzeit

07/2007 bis 12/2009

Projektträger

Gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung