Projektbeschreibung
Motivation
Im produzierenden Bereich, beispielsweise im Maschinenbau oder in der Automobil(zuliefer)-industrie, zeigt sich derzeit eine Produktivitätskrise: Innovationen sind gehemmt, Arbeitsplätze und Standorte gefährdet. Zugleich ist zu beobachten, dass Arbeit verstärkt im Kontext technikgetriebener (z.B. Automatisierung) und organisatorischer (z.B. Plattformökonomie) Wandlungsprozesse neu entsteht – an Stellen also, an denen die Wertschöpfung der Zukunft stattfindet. Wertschöpfung konstituiert sich dabei stetig neu. Wertschöpfungssysteme werden zugleich komplexer und damit anfälliger für plötzliche Störungen und unvorhergesehene Ereignisse. Um den neu entstehenden Anforderungen digital vernetzter Wertschöpfung, den komplexen Arbeitsprozessen und den steigenden Belastungen von Beschäftigten in einem zunehmend unsicheren und von Disruptionen geprägten Wertschöpfungsumfeld zu begegnen, reichen technologische oder organisatorische Einzellösungen nicht mehr aus. Vielmehr braucht es einen grundsätzlichen Perspektivenwechsel, um einen neuen Produktivitätssprung zu erreichen und um Unternehmen und Mitarbeitende produktiver, innovativer und vor allem resilienter zu machen: Eine konsequente Ausrichtung der Wertschöpfung am Arbeitshandeln. Hierfür müssen bestehende Methoden und Prozesse der Arbeits- und Technikgestaltung konsequent hinterfragt werden, bevor neue Bausteine (z.B. Befähigungskonzepte und digitale Tools) hinzugefügt werden können. Dies schließt auch gängige Konzepte der Arbeitswissenschaften zur Humanisierung der Arbeit mit ein.
Zielsetzung und Vorgehen
Das Vorhaben entwickelt und erprobt einen neuen Organisationsansatz, der Wertschöpfung und Resilienz prozessbasiert aus dem Arbeitshandeln heraus gestaltet und in der Folge Beschäftigte dazu befähigt, unvorhergesehene Herausforderungen der aktuellen und künftigen Wertschöpfung im Arbeitsprozess adaptiv, kreativ und professionell zu bearbeiten: das Work Based Organizing (WBO). Selbstverantwortung und Selbstorganisation werden dabei nicht mehr nur als Modifikation der formalen Organisation verstanden, sondern als Grundlagen für die Gestaltung innovativer Wertschöpfungssysteme entlang der Bedürfnisse produktiven Arbeitshandelns.
Der neue Ansatz umschließt Resilienz förderliche Arbeitsformen, -systeme und -umgebungen und eine an Resilienz orientierte Arbeitsgestaltung. Entlastende und komplementäre Strukturen im Zusammenspiel von Mensch, Technik, Organisation (Arbeitsteilung/Rollen) und das Zusammendenken von Effizienz und Ergonomie sollen Mitarbeitende in heterogenen Arbeitssystemen entlasten und Freiräume für deren Befähigung und Qualifizierung ermöglichen.
In vier betrieblichen Anwendungsszenarien werden dazu praxisbasierte und resilienzförderliche Lösungen entwickelt und erprobt, die Wertschöpfung entlang der Bedarfe des Arbeitshandelns organisieren und ein kontinuierliches betriebliches Kompetenzmanagement fördern:
- Use Case 1: „Erprobung der WBO-Konzepte auf der grünen Wiese für die Produktion der Zukunft“ (Grötschel GmbH)
- Use Case 2: „Erprobung eines technologiegetriebenen Change-Prozesses nach WBO in der Wissensarbeit“ (CAS Software AG)
- Use Case 3: „Erprobung mitarbeiterorientierter Prozessoptimierung auf dem Shopfloor nach WBO“ (RINGFOTO GmbH & Co. KG)
- Use Case 4: „Erprobung WBO-basierter Geschäftsmodellinnovationen durch aktive Netzwerkarbeit“ (HONASCO Kunststofftechnik GmbH & Co. KG)
Auf der Basis der Anwendungsfälle wird ein WBO-Toolkit mit verschiedenen Gestaltungsmodulen entwickelt. Die Module werden von den Wissenschafts- und Beratungspartner gemeinsam mit den beteiligten Unternehmen partizipativ entwickelt, prototypisch umgesetzt und validiert:
- Digitales Assistenzsystem & Prozessanalyse für WBO-Potenzial (fortiss GmbH)
- Handlungsrahmen Ergonomie & schlanke Prozesse (TUM – Lehrstuhl für Ergonomie – LfE)
- Handlungsempfehlungen Führung & Zusammenarbeit (trilogIQa)
- Handlungsleitfaden Wertschöpfungsgestaltung (ISF München e.V.)
- Befähigungskonzept: Qualifikation & Kompetenzen (GAB München)
- Strategisches WBO-Leitbild (ISF München e.V.)
Aufgaben des ISF München
Das ISF München übernimmt die administrative sowie inhaltliche Koordination des Verbundprojektes und zeichnet für die wissenschaftlichen Grundprinzipien des Work Based Organizings verantwortlich. Das Institut stellt die qualitative Erhebungsinstrumente für den Verbund zur Verfügung und führt die empirischen Erhebungen und deren Auswertung durch. Die Projektpartner:innen werden in den Erhebungsprozess und im Rahmen von Auswertungsworkshops und formativen Evaluationsworkshops einbezogen. Insgesamt erarbeitet das ISF München Beiträge zur Entwicklung neuer Wertschöpfungsstrategien im Wertschöpfungsnetzwerk entlang von Arbeit. Entstehen sollen dazu ein Mehrebenen-WBO-Gestaltungsansatz von Wertschöpfung und ein Leitbild mit Kernprinzipien für Work Based Organizing. Zudem entwickelt das ISF gemeinsam mit der GAB und trilogIQa ein qualitatives Erhebungsinstrument (u.a. zur Differenz von Kernarbeit und „unnötiger“ Arbeit, Belastungen sowie Resilienzindikatoren) und ein Konzept für einen partizipativen WBO-Verbesserungsprozess, der das Anstoßen von Veränderungen im Betrieb unterstützt.
Projektpartner
- CAS Software AG
- fortiss GmbH – Landesforschungsinstitut des Freistaats Bayern für softwareintensive Systeme
- GAB München – Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung e.V.
- Grötschel GmbH
- HONASCO Kunststofftechnik GmbH & Co. KG
- ISF München e.V.
- RINGFOTO GmbH & Co. KG
- trilogIQa | change to lean
- Technische Universität München – Lehrstuhl für Ergonomie (LfE)
Assoziierte Partner (u.a.)
- fortiss Mittelstands Initiative
- Offensive Mittelstand
- Logistik-Cluster Schwaben e.V.,
- NRW Kompetenznetzwerk
- Logistik-Initiative Hamburg im Zukunftsbeirat
ProjektbearbeiterInnen
- Dr. Stephanie Porschen-Hueck 089 / 27 29 21 - 57 stephanie.porschen-hueck@isf-muenchen.de
- Dr. Norbert Huchler 089 / 27 29 21 - 66 norbert.huchler@isf-muenchen.de
- Dr. Michael Heinlein 089 / 27 29 21 - 12 michael.heinlein@isf-muenchen.de
- Dipl.-Soz. Judith Neumer 089 / 27 29 21 - 75 judith.neumer@isf-muenchen.de
- Markus Stöhr Telefon: 089 / 27 29 21 - 55 markus.stoehr@isf-muenchen.de
Projektlaufzeit
01/2026 bis 12/2028
Projektförderung


