WorkPanRisk: Arbeit in Zeiten von Corona – Risikopolitik und dynamisches Grenzmanagement von Arbeit unter Bedingungen von SARS-CoV-2

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Projektbeschreibung

Ziel und Ergebnisse des Vorhabens

Die Covid-19-Pandemie geht mit tiefgreifenden Auswirkungen auf die Arbeitswelt einher. Insbesondere die Maßnahmen zum physical distancing haben in vielen Bereichen die Organisation und Praktiken der Arbeit verändert und die digitale Transformation der Arbeitswelt beschleunigt. In der öffentlichen Diskussion aber auch in vielen Studien zu den Arbeitsfolgen dieser Maßnahmen wurden die Veränderungen dieser Entwicklung für die informellen und leiblichen Elemente von Arbeit noch selten beachtet. In der Vergangenheit hatten arbeitssoziologische Untersuchungen jedoch immer wieder gezeigt, dass viele Tätigkeiten in unterschiedlichem Ausmaß körperliche Präsenz voraussetzen und sich einer vollständigen Digitalisierung und Technisierung sperren. Vor dem Hintergrund der vielfältigen Erfahrungen in der Corona Pandemie stellt sich daher die Frage, wie sich der Stellenwert informeller und leiblicher Elemente von Arbeit verändert hat und inwiefern es Unternehmen und ihre Beschäftigten gelungen ist, diese Momente des Arbeitshandelns auch im virtuellen Raum zu replizieren.

An diesem Zielkonflikt zwischen physischer Distanzierung einerseits und den Risiken für die Arbeitsqualität aufgrund zu geringer körperlich-leiblicher und sozialer Nähe andererseits entzünden sich vielfältige Kontroversen. Im Projekt wird von der Annahme ausgegangen, dass die Grenzen und Verknüpfungen zwischen physischen und technischen Dimensionen von Arbeit aufgrund der Coronakrise rekonfiguriert werden müssen, womit die Entstehung von Risikokonkurrenzen verbunden ist. Die zentrale These lautet, dass die moderne Risikogesellschaft in Zeiten der Pandemie einen adäquaten Umgang mit den entstehenden Ungewissheiten und Konflikten finden muss und vor der Aufgabe einer Risk-Governance bei physisch-sozialen Grenzverschiebungen steht.

Das Projekt untersucht die daraus resultierenden Veränderungen, Spannungsfelder und Governanceformen auf der Grundlage qualitativ-empirischer Fallstudien in der Softwareentwicklung, kleinen und mittleren Unternehmen aus dem technisch-gewerblichen Bereich, dem Theaterbetrieb und dem Gesundheitswesen. Anhand eines Quervergleichs der einzelnen Tätigkeitsfelder sollen Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden. Damit wird der Wandel von Arbeit im Hinblick auf den Technisierungsgrad und die Relevanz von Körperlichkeit für die Arbeitsorganisation und Arbeitspraxis in unterschiedlichen Branchen betrachtet.

Am ISF München werden insbesondere zu den empirischen Feldern mit hohem Technisierungs-/Digitalisierungsgrad Softwarenentwicklung/TEC-Unternehmen sowie iin kleinen und mittelständischen Unternehmen aus dem technisch-gewerblichen Bereich vertiefende Untersuchungen durchgeführt.

Folgende zentrale Fragen sollen in dem Projekt beantwortet werden:

  • Welcher Wandel von Arbeitspraktiken wird durch die Coronakrise vorangetrieben? Wie werden körperliche und technische Dimensionen von Arbeit rekonfiguriert und neu verknüpft?
  • Welche Konflikte im Spannungsfeld zwischen Gefahren der Übertragung von Viren und Risiken der Beeinträchtigung von Arbeit durch physical distancing werden erkennbar?
  • Wie werden diese Risikokonflikte auf der individuellen, organisationalen und politischen Ebene verhandelt?
  • Mit welchen Regulierungspraktiken und Governanceformen wird in den Organisationen auf die Herausforderungen reagiert?
  • Welche Good Practices im Umgang mit den Spannungsfeldern und Risikokonflikten lassen sich identifizieren?

Über eine Analyse der Folgen von SARS-CoV-2 hinaus soll im Projekt das Verständnis über die Konsequenzen von Pandemien auf die Arbeitswelt befördert und zur Entwicklung von vorsorgenden Strategien der Risikogovernance in Zeiten der (pandemischen) Krisen beigetragen werden. Die erzielten Befunde werden der Weiterentwicklung von sozialwissenschaftlichen Ansätzen zum Wandel der Arbeitswelt und zur Governance von Gesellschaft dienen. Das Projekt verbindet dabei arbeitssoziologische Expertise mit Perspektiven der Science and Technology Studies und der Governance-Forschung.

Assoziierte Partner:

Professor Dr. Daniel Barben, Professor Dr. Ingo Matuschek; Professorin Dr. Sabine Pfeiffer

ProjektbearbeiterInnen

Projektlaufzeit

01/2022 bis 12/2024

Projektförderung

Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unter der Projektnummer 458412033 im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften 2/Sozial- und Verhaltenswissenschaften als Beitrag zur fachübergreifenden Erforschung von Epidemien und Pandemien anlässlich des Ausbruchs von SARS-CoV-2 gefördert.